Wacht auf, Verdummte dieser Erde,
die man mit schönen Worten täuscht.
Dass alle, alle glücklich werden,
sobald das Geld die Welt beherrscht.
Die Konzerne lachen sich ins Fäustchen.
Die Politik gehorcht devot.
Für uns wird ständig alles teurer
und in uns wächst die große Wut.
Weiterlesen...
Friedrich Schiller (Jena 1808) - An die Völker der Welt!
Ich will das Loblied meiner Heimat singen,
die, einst von ihren Herrschern wohlbehütet,
nun fremden Mächten schamlos wurde überlassen.
Weiterlesen...
Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Was vorüber schien, beginnt.
Chrysanthemen blühn und frieren.
Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Und du folgst ihr wie ein Kind.
Weiterlesen...
Ein (musikalisches) Portrait, erstellt von Gerrit Wielke

Gestern war nicht alles besser.
jungsein ist kein honigschlecken.
doch im sog der vielen träume
war ich mir noch selbst ein rätsel.

Weiterlesen...
Das folgende Buch ist Herbst 1979 und Frühjahr 1980 in der Anarchodruckerei "Die Keule" in der Oranienstrasse in Kreuzberg entstanden. Ulla und Klaus möchte ich hier noch einmal ganz herzlich für ihre großzügige Gastfreundschaft danken.
Die Schleyer-Entführung, die Befreiung des entführten Flugzeugs in Mogadischu und der Selbstmord des Kerns der RAF in Stammheim hatten unter uns Spontis eine tiefe Resignation bewirkt. "Wir tun nix mehr!" war allenthalben zu hören. Aus dieser Lähmung versuchten wir uns mit dem Kongreß "Die Reise nach Tunix" im Frühjahr 1980 in der TU zu befreien.

Weil ich die Aufbruchstimmung in der Schwulenbewegung dieser Jahre recht gut eingefangen habe, wurde ich oft gelobt. Ich hoffe, auch Du liest das Buch mit Vergnügen.
Weiterlesen...
Von Scham und Peinlichkeit (1)
Sich zu schämen, scheint aus der Mode zu kommen. Mir aber ist es peinlich, wenn einer meiner Freunde in der U-Bahn rumfurzt. Mich quält die Angst, als der Übeltäter verdächtigt zu werden. Meinem Stinker aber macht es nichts aus, ins Zwielicht zu geraten.
Offensichtlich sind wir unterschiedlich aufgewachsen. In meinem Elternhaus wurde das Bad nicht abgeschlossen. Dort sah ich Vater und Mutter nackt. Aber wenn ich kacken musste, wollte ich möglichst alleine sein.
Scham und Freiheit
Unser Schamempfinden bildet sich in frühester Kindheit. Was Kindern als peinlich vermittelt wird, sitzt tief und lässt sich später nur noch schwer korrigieren. Viele werden es sympathisch finden, dass ich sie nicht mit Furzen belästige. Doch hinter meinem rücksichtsvollen Verhalten könnte auch ein Stück gehemmter Spontanität stecken.
Wie frei wir wirklich sind, erleben wir in Liebesbeziehungen. Im Stadium des Verliebtseins habe ich mich dem anderen nur frisch geduscht und nett herausgeputzt zugemutet. Aber wenn die Liebe alltäglich wurde, ließ sich so viel angestrengte Selbstdarstellung nicht durchhalten. Wurde es dann nicht peinlich, entstand ein Gefühl von Vertrautheit und nähe. Geteilte Innigkeit verlangt einem Balanceakt zwischen Selbstvertrauen (Ich darf sein wie ich bin!) und Rücksichtnahme.
Wie soziale Verhältnisse Intimität nicht aufkommen lassen.
Mein Vater war der Anlass, mir über diesen Zusammenhang Gedanken zu machen. Hinfällig geworden, musste er morgens und abends gewaschen werden. Immer öfters nässte er ein. Mir wäre dieser Verlust an Selbständigkeit peinlich gewesen. Aber meinen Vater schien das nicht weiter zu belasten.
Er ist in einer oberschlesischen Bergarbeiterfamilie aufgewachsen. Seine Eltern mit ihren vier Kindern mussten mit einer Eineinhalbzimmerwohnung auskommen. Wasser holten sich alle Mietsparteien draußen auf dem Flur. Zur "Notdurft" ging man nach unten in ein Holzhäuschen auf dem Hof. Arm waren dort die meisten Familien und deshalb war Armut keine Schande. Erst wo Wohlstand selbstverständlich wird, muss sich der, der arm bleibt, schämen.
Grenzziehung und Scham
Auch mein furzender Freund kommt aus einer Arbeiterfamilie. Seit seiner Geburt leidet er an einem Kopfzittern, das unter Stress heftiger wird. Sicher wurde er mehr als seine Geschwister verwöhnt. Mein gewiefter Freund hat das ausgenutzt und sich mit den Jahren immer mehr Freiheiten ergaunert.
Ins Fettnäpfchen zu treten, ist für ihn selbstverständlich. Aber selbst die, die peinlich berührt sind, wagen wegen seiner Behinderung nicht aggressiv zu reagieren. Sein Mangel an Takt lässt sich nur auf dem ersten Blick als Ausdruck von Spontanität und Unbeschwertheit missverstehen. Auch Tabus zu missachten, kann zu einem Zwang werden.
Von Scham und Peinlichkeit (1)
Sich zu schämen, scheint aus der Mode zu kommen. Mir aber ist es peinlich, wenn einer meiner Freunde in der U-Bahn rumfurzt. Mich quält die Angst, als der Übeltäter verdächtigt zu werden. Meinem Stinker aber macht es nichts aus, ins Zwielicht zu geraten.
Weiterlesen...
Der Vorteil am Sehen ist, dass man nicht so genau hinsehen muss. Diese überraschende Ein-Sicht machte ich als Blinder. Viele Wege, die ich aus meiner Zeit als Sehender zu kennen glaubte, erwiesen sich plötzlich als fremd und unbekannt. Zu viele Ecken und Kanten, auf die mich nun mein Blindenstock verwies, hatte ich einfach über-sehen. Sehend genügte mir ein Über-Blick und ich konnte mich problemlos der Welt meiner Gedanken überlassen.
Weiterlesen...
Alle zwei Jahre gestatte ich meinem Urologen einen Blick auf meinen Unterleib. Jedes Mal bescheinigt er mir alten Sack eine "jugendliche" Prostata. Da ich mit meiner nachlassenden Potenz konfrontiert bin, weiß ich solche Komplimente zu schätzen. Aber mit meinem Blasendruck ist mein Arzt, seit wir uns kennen, nicht zufrieden. Meine Blase entleert sich völlig und die gemessene Flüssigkeitsmenge entspricht der Norm. Aber mein Strahl plätschert leider nur kläglich vor sich hin.
Weiterlesen...
es war nicht schlecht.
Ja fast schon gut.
es riecht nach schweiss.
ich spür mein herz.
im müll der gummi,
prallgefüllt.
mein glockenspiel
tanz mit dem wind.
er fickt nicht schlecht.
ist echt potent.
kein anlauf hemmt.
kein wort zuviel.
nur haut auf haut:
ein geiler fick.
weshalb die wehmut,
die jetzt schmerz?
Gibt es zwischen beiden einen Unterschied?
Der Verstand bezieht einen Standpunkt gegenüber der Wirklichkeit, den er zu begründen versteht. Die Wirklichkeit ist vielfältig und sie lässt sich unter ganz verschiedenen Gesichtspunkten wahrnehmen.
Weiterlesen...
Der Begriff scheint eindeutig zu sein. Das "ich will" kennt jeder und auch die Erfahrung, dass es manchmal recht anstrengend sein kann. Tagtäglich wird uns vieles abverlangt, wozu wir keine große Lust haben. In diesem Fällen hilft die Willensanstrengung über die Runden. Deshalb gilt sie als Tugend, die mir in meiner Erziehung noch vermittelt wurde. Vor willensschwachen Menschen wurde ich gewarnt und wo kämen wir schließlich hin, wenn sich keiner mehr anstrengen würde.
Weiterlesen...
Er arbeitet im Stahlrohrbau.
Jedoch sein Rohr ist ziemlich faul.
Vielleicht kann er ja Rohre schweißen.
Bei mir im Bett baut er nur Scheisse!
Noch nie war ich in der Lage, einen Luftballon aufzublasen. Dazu fehlt mir die Kraft in den Lungen. Wenn es mir seelisch schlecht geht, wird mein Atem immer flacher. Ich bin zu erschöpft, um noch tief ein- oder auszuatmen. es fühlt sich an, als müsste meine Arme Brust gegen eine schwere Last ankämpfen. Manchmal kippt meine resignative Stimmung um in eine Depression. Ich bin dann wie gelähmt. Neben diesem mutlosen Atem quält mich seit Jahren ein zäher Husten, den ich einfach nicht loswerde.
Weiterlesen...
Es ist nicht einfach, den Raum des eigenen Herzens auszuloten. Wenn mein Kopf angespannt ist, höre ich in den Ohren seinen Pulsschlag. Manchmal spüre ich, wie meine Schultern auf meinem armen Herzen lasten. Oft habe ich den Wunsch, eine Hand tröstend auf mein wundes Herz zu legen. Ich habe eine innige Beziehung zu meinem Herzen.
Weiterlesen...
Diese Zeilen schreibe ich mit gebrochenen Herzen. Der Grund ist schnell erzählt. Meine Zwillinge, deren Opa ich bin, sollten zusammen mit ihrem Vater bei mir zehn Tage wohnen. (Ihre Mutter musste in dieser Zeit arbeiten.) Da drei Wochen vorher mein Vater gestorben war, habe ich mich auf dieses Zusammensein besonders gefreut.
Weiterlesen...
Kindheit und Jugend
Wilhelm Reich kam 1897 in Galizien in einer jüdischen Familie zur Welt. Sein Vater, den er als jähzornig und unnahbar schildert, betrieb ein großes, landwirtschaftliches Gut. Wenn sie nicht mit ihrem autoritären Vater konfrontiert waren, hatten Wilhelm und sein Bruder ein aufregendes Leben. In den Ställen und Wäldern, auf den Wiesen und Feldern gab es immer Neues zu entdecken. Zeugung und Geburt, aber auch der Tod waren ganz selbstverständlicher Teil dieses ländlichen Alltags. Als die Jungen das Schulalter erreicht hatten, wurden sie zuhause von einem Lehrer unterrichtet. Der zwölfjährige Wilhelm entdeckte, dass seine Mutter mit ihm fremdging. Er fühlte sich gleich von zwei geliebten Menschen verraten. Aufgewühlt erzählte Wilhelm dem zurückgekehrten Vater seine Beobachtungen. Der Lehrer wurde gefeuert. In immer neuen Wutausbrüchen beschimpfte der Vater die Mutter und schlug sie. In ihrer Verzweiflung griff sie zu einer Flasche mit einem ätzenden Reinigungsmittel. Sie starb qualvoll. 1914, in einer eisigen Winternacht, provozierte der Vater, der ihren Tod nicht verkraftet hatte, eine schwere Lungenentzündung. Da er sein Sterben fahrlässig herbeigeführt hatte, wurde seinen Söhnen die hohe Lebensversicherung nicht ausgezahlt. Bei Kriegsausbruch meldete sich Reich beim österreichischen Sanitätsdienst. Während des Krieges verwüsteten russische Truppen das väterliche Anwesen.
Weiterlesen...
Das Waldviertel, zwischen Donau und böhmischer Grenze gelegen, ist im 19. Jahrhundert eines der Armenhäuser des Habsburger Kaiserreiches. Die Beweglicheren wandern ab. Den Zurückgebliebenen unterstellt man Hinterwäldlertum und Inzucht.
Weiterlesen...
August lieber August - oder von der mühseligen Entdeckung der Leiblichkeit - Ein Dank an unseren Weggefährten August von Platen

August lieber August (1) (1.42 MB)
August lieber August (2) (1.09 MB)
August lieber August (3) (1.15 MB)
Ich bin ein Kriegskind und wurde im November 1944 geboren. Schon kurz nach dem Einsetzen der Wehen hatte meine Mutter ihr Fruchtwasser verloren. Sie brauchte quälende acht Stunden, um mich auf die Welt zu bringen. Durch die große Anstrengung hatten sich ihre Brustwarzen entzündet. Sie konnte mich nicht stillen. Ich bekam Kuhmilch, die ich anfangs erbrach. Eine Magen-Darm-Grippe grassierte. Viele Säuglinge starben. Ich gehörte zu den wenigen, die überlebt haben.
Weiterlesen...
Einige Gedanken zu unseren sexuellen Problemen aus der Sicht Wilhelm Reichs. Zu seinem Leben siehe den folgenden Link: Wilhelm Reich - eine Biographie
Weiterlesen...
Vor über dreissig Jahren war ich ein gern gesehener Gast in einer Landkommune im mittelfränkischen Jobstgreuth. Tonangebend in dieser Gemeinschaft mit häufig wechselnden Mitgliedern war Raymond Martin. Ein kreativer, junger Mann mit viel Liebreiz, der nicht nur Frauen zu bannen verstand, sondern mit seinem Vertrieb von Erwachsenen-Comics auch finanziell recht erfolgreich war.
Weiterlesen...
Klicken Sie auf die folgenden Links zum anhören / download der gleichnamigen Lieder von mir (mp3):
Milka bin ich vor über dreißig Jahren auf dem schwulen Sommercamp in Niederbayern begegnet. Von seinen selbst geschriebenen Songs hat mich vor allem sein "Ich habe Dich gehasst!" angesprochen. Vielleicht, weil auch ich meine Schwierigkeiten hatte, meinen Körper anzunehmen.
Weiterlesen...
Gewidmet jenem geilen Italiener, der vor über dreißig Jahren in der Pizzeria gegenüber dem Bahnhof in Ansbach kellnerte und der inzwischen sicher seinen Ruhestand auf Sizilien genießt!
Weiterlesen...
Er war ein geiler ecstasy-raver.
auch trug er mit Stolz
Rasterlocken.
Doch selbst ihn lässt das Schicksal nicht ungeschoren.
Er sah es mit Schrecken: Geheimratsecken.
Es war schon bitter:
der dichte Haarschopf
lichter und lichter.
Jetzt geilt er als Glatzkopf
und die ihn besamen,
ahnen nichts vom Glanz
jener haarigen Jahre.
Wenn wir Georgspfadfinder am Ende einer Fahrt einen Kreis bildeten und unser Abschiedslied sangen, lief den meisten von uns ein Schauer den Rücken herunter.
Weiterlesen...
Vor drei Jahren fragte ich bei einem Abendessen meinen demenskranken Vater: "Freust Du Dich auf den lieben Gott?" Er sah mich verdutzt an und antwortete zögernd "Nein". Inzwischen ist er 91 Jahre alt geworden.
Weiterlesen...
Das Buch von Stanley Keleman "Lebe Dein Sterben!" erschien als amerikanische Ausgabe 1974, die deutsche Übersetzung 1994. Zum Verfasser siehe: Stanley Keleman
Weiterlesen...
Stanley Keleman
Amerikanische Originalausgabe 1974
Deutsche Übersetzung 1994
Isko-Press
"Jedermann will immer weiter leben. Die richtige Weise, weiter zu leben, ist, Dein Sterben zu leben."
Dichter, Maler, Bildhauer, Autor, Gruppenleiter und Erzieher
Brooklyn/ New York geboren. Lernte u.a. bei Karlfried Graf Dürkhein im Zentrum für religiöse Studien in Todmos/ Schwarzwald. Schüler von Nina Bull, die sich mit Fragen der körperlichen und kinaesthetischen Intelligenz beschäftigte, durch Alexander Lowen in die bioenergetische Analyse eingeführt. Ausbilder am Bioenergetik- und Gestaltinstitut in San Diego/ Kalifornien. Gruppenleiter am Easalen-Institut in san Francisco. Mitarbeiter in Brooklyn am Zentrum für energetische Studien.
Gebet zur diamantenen Hochzeit meiner Eltern
Gebet zur diamantenen Hochzeit (796.37 kB)
Noch immer kommen mir bei der Erinnerung an seine letzten Stunden Tränen. Ich bin dankbar, dass ich ihm bei seinem Abschied von dieser Welt helfen konnte. Zuletzt hatte ihn eine Gehirnblutung aus der Bahn geworfen. Nach wenigen Tagen war er nicht mehr ansprechbar. Wir baten die Ärzte, ihn nicht künstlich zu ernähren.
Weiterlesen...
Wenn ich an Benedikt und Julian denke, schmunzle ich. Sie sorgen für Sonne in meinem oft von trüben Stimmungen heimgesuchten Leben. Ihre türkischen Großeltern rufen sie Can und Emre.
Weiterlesen...

Jahrzehntelang quälte mich ein Alptraum. Es ist Weihnachten und ich habe kein Geschenk für meine Eltern. In Panik renne ich los und kaufe in letzter Minute ein Buch. Wenn ich aufwachte, hatte ich Schuldgefühle.
Weiterlesen...
Wenn in der Nachkriegszeit wir Kinder im Sommer bei den Urgroßeltern zu Besuch waren, hinderte uns eine seltsame scheu, einen Blick in ihr Schlafzimmer zu werfen. Neugierig durchstöberten wir den Dachboden und den Keller. Aber keiner hätte es gewagt, heimlich die Schlafzimmertür zu öffnen.
Weiterlesen...
Ihr Kinderlein kommet, O kommet doch all!
Zur Krippe her kommet In Bethlehems Stall
Und seht was in dieser Hochheiligen Nacht
Der Vater im Himmel Für Freude uns macht.
Weiterlesen...
Nachsinnen über Christoph von Schmid und seine Zeit
Christoph von Schmid hat mich, der ich ebenfalls in Dinkelsbühl auf die Welt kam und wie er als frommer Junge aufwuchs, schon früh beschäftigt. Ausgehend von seinem Denkmal vor der Georgskirche habe ich ihn mir lange als einen berühmten und kraftvollen Domherrn vorgestellt. Ein sehr viel realistischeres Bild liefert ein Gemälde im Heimatmuseum. Hier sieht man einen kleinen, hageren Mann, für den man spontan Mitgefühl empfindet.
Seine Freunde riefen ihn liebevoll "Stophele". Berührt von seinem weichen Wesen und seiner sentimentalen Ader nannte ihn sein väterlicher Freund Johann Michael Sailer nicht ohne Ironie den großen "Tränenpresser".
Weiterlesen...
Geschichten rund um Weihnachten (PDF-Download)
Geschichten rund um Weihnachten (2.75 MB)
Während unsere Protestbewegung an Schwung verlor und sich immer mehr linke Gruppen bekämpften, waren in Westberliner Stadtbild immer häufiger junge Menschen in einem warmen, orangefarbenen Outfit zu entdecken. Um den Hals trugen sie eine Kette aus Holzperlen und an ihrem Ende war in einem Medaillon das Bild ihres Gurus Bhagwans zu sehen. Ihr religiöses Zentrum befand sich in einem Hinterhof am Mehringdamm. Dort konnte man an der Dynamischen Meditation oder an der Kundalini teilnehmen. Bei der Dynamischen schrie ich mir die Seele aus dem Leibe, um in der letzten Viertelstunde auf dem Boden liegend meinen angenehm erschöpften Körper zu spüren. Der Kundalini, bei der ich fünfzig Minuten lang den ganzen Körper zu schütteln hatte, verdankte ich eine beseligende Trance.
Weiterlesen...
Ohne meinen Freund Heinz hätte ich mich sicher nicht so schnell in die USA gewagt. Aber seine Begeisterung, mit der er von seinem Aufenthalt in Amerika erzählte, war ansteckend. Deshalb saßen wir im Juli 1973 gemeinsam im Flugzeug nach New York. Im Gepäck eine Reihe von Adressen, die sich als nicht mehr zutreffend herausstellten. Heinz konnte bei Freunden, die er von seinem ersten Trip her kannte, schlafen. Sie gingen tagsüber einem Job nach, um sich abends mit Heroin in eine andere Welt zu spritzen. Einmal nahm Heinz mich mit in seine von drei großen Katzen bewachte Drogenhöhle. Ein paar Tage später fielen sie plötzlich über ihn her und jagten ihm einen gehörigen Schrecken ein.
Weiterlesen...
Am 6. Dezember 1968 wagte ich mich zum ersten Mal in eine schwule Bar. Ich weiß das so genau, weil mir am Eingang des Trocaderos ein junger Mann einen Schoko-Nikolaus in die Hand drückte. In der schwulen Nachtwelt fühlte ich mich viel unsicherer als tagsüber in den Seminaren oder auf einer unserer vielen Demos. Hier wurde ein anderes Outfit erwartet. Ich zwängte mich in hautenge, verwaschene Jeans. Das weiße, körpernah geschnittene Plüschhemd erschwerte das Atmen. Meine armen Zehen litten unter den spitz zulaufenden Schuhen. Aber diese Verkleidung half mir, mich in dieser Welt wortlosen Werbens zu behaupten.
Weiterlesen...
Es wurde mir nicht leicht gemacht, in dieser Welt anzukommen. Durch die langwierige Geburt hatten sich die Brustwarzen meiner Mutter entzündet. Sie konnte mich nicht stillen. Anfangs erbrach ich die Kuhmilch. Auf der Säuglingsstation wütete eine Magen-Darm-Grippe. Ich war einer der wenigen Neugeborenen, die überlebt haben.
Weiterlesen...
|
|